Die derzeitige Lage bei xt:commerce

17. January 2008

Ich habe lange Zeit nichts mehr zu xt:commerce gebloggt, weil mir die ganze Stimmung auf den Senkel geht.
In den bekannten Foren wurden zu dem Thema nur noch Hiebe unter der Gürtellinie verteilt. Das Publikum, das diesen Stimmungswechsel nach meiner Meinung verursacht hat, wollte ich einfach nicht auf meinem Blog haben. Ansatzweise ist es leider schon passiert. Egal. Was denke ich von der Situation im Moment?

Zuerst wollte ich was zu dem ganzen Hergang der Geschichte schreiben, aber damit werde ich ja Teil dieser Schlacht. Es gibt halt keine Fakten, nur Behauptungen. Und welche Soll ich da vertreten, wo ich mit der Sache nichts zu tun habe? Vielleicht sieht man dadran, warum ich mich da bisher rausgehalten habe.

Meine Meinung:

Auf der einen Seite erlaubt es die GPL, alles was auch nur eine Zeile GPL Code enthält weiterzugeben. Auf der anderen Seite sind bei xt:commerce halt andere Strukturen entstanden. Wenn jetzt einer mit der Brechstange daher kommt um alles auf den "Rechten Weg" zu bringen, wird es halt Verluste geben. Und damit meine ich Verluste an Qualität der Angebote für Shopbetreiber. Immer wieder werden andere Opensource Projekt herangeführt, wie super dort alles kostenlos entwickelt wird und keiner was verkauft. Der Unterschied sind dabei aber die von Anfang an anders gewachsenen Strukturen.
Und hier könnte man wenn überhaupt nur xt:commerce selber die Schuld geben, dass jetzt so vieles eskaliert. Hier wurden von Anfang an die Dinge in falsche Bahnen gelenkt, mit dem Sponsoren Forum Modell.

Was mich auch stört, ist dass einige Personen hier die Show nutzen, um ihr eigenes Ego und Website zu profilieren. Das ist es, was mich vielleicht am meisten an der Lage derzeit stört.

Was wird die Zukunft bringen?

Nun, die Anbieter werden nicht Module auf den Markt werfen, um sie kurze Zeit später in Foren wiederzufinden. Es wird dadrauf hinauslaufen, dass Module nur noch gegen Aufpreis und ohne Dokumentation installiert werden.
Und eigentlich hat es Module in diesem Sinne noch nie gegeben. Alles was man bisher erwerben konnte waren Umbauanleitungen. Module wie man sie von Wordpress kennt, hat das Coresystem nie zugelassen. Für den Shopbetreiber heisst das wohl in Zukunft, dass man dem Erweiterungsanbieter ftp Zugang gibt, er "etwas" am Shop verändert und man keine Ahnung hat was passiert ist. Mit dem nächsten Update ist die Änderung dann auch dahin. Sicherlich wird es Anbieter geben, die Updates mit anbieten.

Wird eine offene Struktur an Entwicklern wie bei Wordpress entstehen?

Glaube ich kaum. Dazu fehlt es an einem zentralen Kommunikationsmittel (Offenes Forum), einer Forderung der Kultur durch eine transparente Dokumentation der Funktionen und vor allem einer positiven Stimmung der "Szene". Vor allem letztere haben die Geschehnisse der letzten Wochen stark entgegengewirkt. Wenn ich mit freien Entwicklungen meine Reputation als Experte aufbauen möchte, dann gehe ich gleich zu einem System über, wo all dies gegeben ist.
Deshalb sind für mich die Aktionen der letzten Wochen nur Rattenfängerei.

So, jetzt erschlagt Euch in den Kommentaren. Alles unter der Gürtellinie wird moderiert.

6 Responses

  1. Hey shoprocker,

    endlich spricht mal jemand das aus, was viele andere denken.

    Vielen Dank für den guten Artikel.

    Gruß
    Tobi

  2. Endlich mal einer ein ruhigeres Blog zu dem ganzen Thema führt! Ich kann das ganze nicht mehr lesen. Die eine Seite zensiert alles und die andere schreit Unsinn in die Welt. Das kann so nicht weiter gehen. Und dann die neue Welle "Alles ist frei und kopiert mal schön". Die kommerziellen, genau wie Du sagst, ziehen sich zurück und auf der anderen brennt ein Feuer.

    Ich erwarte nicht von der 3.1 das die ein wirkliches Modulsystem mit Events und Hooks bietet. Also wird es alles genau wie Du sagst auf verworrenen Support und Core Hacks sitzen bleiben.

    Vielleicht wird ja auch alles anders. Aber ich denke erst Magento und dann wohl auch erst nach den ersten 2 bis 3 release patches wird zumindest in den freien Markt einiges an frischen Wind bringen.

    Wie das dort allerdings mit professionellen Modulen aussieht wird sich zeigen. Aber zumindest wird es wohl ein solches Modul System bieten, das man auf sauberer Basis Support anbieten kann.

    Ach was schreibe ich eigentlich, das ist ja nichts neues und bestätigt nur das was Du sagst. Aber es ist wirklich so nervig. Seit November bin ich irgendwie damit beschäftigt Urtiele zu lesen und mir eine Meinung zu bilden. Die Zeit hätte ich mir auch gern gespart...

    Gruß,
    Karsten

  3. da hast du was richtiges gesagt, das schlimmste ist wohl das forum an sich. ich war im ersten jahr extrem erschrocken wie wenig da von userseite kommt. da hilft wirklich kaum jemand den anderen. aber wozu auch schließlich hat man ja 99€ bezahlt. mein beitrag steht demnächst wieder an und ich werde nicht zahlen und hoffe megento wird einen schnittstelle zu meiner wawi bieten und ich ziehe dann einfach um in einem jahr.

  4. Als ich vor 18 Monaten anfing einen kleinen Shop online zu stellen, hab ich mir den shop mit xt:commerce aufbauen lassen und pflege ihn heute selbst.
    Diese spärlichen und meist auch halbwahren Hilfestellungen wenn man kein Supporter ist tragen nicht gerade zum Erfolg des eigentlich guten Produktes bei.
    Ich kann natürlich vollstens verstehen, dass man für seine Programmierarbeiten bezahlt werden will, wer arbeitet schon gerne umsonst. In der heutigen Zeit sind Traffic und Backlinks allerdings auch eine Menge Geld wert und es gibt einige addon Anbieter die vorgemacht haben wie erfolgreich diese Art Werbung sein kann.
    Dieser schöne und wertvolle Blog geht da mit bestem Beispiel voran.
    Warum xt:commerce nun immer noch nicht geschnallt hat wie man Kunden nicht verärgert kann ich mittlerweile gar nicht mehr verstehen. Wenn man sich einen Download einer GPL Software bezahlen läßt (war glaube ich Anfang 2007 noch so) um ihn dann 2 Monate später kostenlos einer Zeitschrift beizulegen, dann muß man sich nicht wundern wenn die Kunden sich nach Alternativen umsehen.

    Das Internet ist schnelllebig und wer nicht schnell reagiert, der wird genauso schnell überholt. Ich glaube das ist die Kernaussage.

    greetinx
    Stefan

  5. Ich habe den Verdacht, dass die zwar gute Interpretation, jedoch durchweg falsche Interpretation der Vorgänge nur ein weiteres ist, damit die Gerüchteküche nicht aufhört zu brodeln. Das ist jetzt keine Beschuldigung, sondern beruht letzlich aus dem Umstand, dass man die tatsächlichen Fakten nicht weiß, bzw. auch nie public werden. Warum? Ganz einfach. XT:Commerce ist keine non-proft Organisation und auch kein Projekt der Community wie so manch anderes OpenSource Projekt. Hier gibt es Interessen, die ein Unternehmen verfolgt und zurecht schützen muss. Täten Sie es nicht, hatten Sie keine Interessen und wären somit weder organisiert, noch könnte man von einem Gewerbe sprechen. Ohne jetzt XT:Commerce in Schutz nehmen zu wollen oder jemand den Verdacht hegt, ich würde irgendetwas von irgendjemanden gutheißen wollen, ist mittlerweilen hochamtlich bestätigt, dass XT:Commerce kein 1 zu 1 Falk von OSC ist. Auch wenn man von Besitz in Zusammenhang mit Opensource Entwicklungen generell nie sprechen kann und darf, gibt es mehr als genügend pyhsikalische Unterschiede. Einen Anspruch der Community, dass diese Entwicklung im Besitz derer oder der Entwickler von OSC wäre, gibt es nicht, was auch klar und vertraglich abgesegnet ist. Nur dumm, dass 99,9% das nicht wissen!

    Was außderdem leider auch viele vergessen oder nicht voneinander trennen können, ist die Tatsache, dass XT:Commerce zwar quelloffenen Code verwendet, aber das ist auch schon alles. Nur weil etwas Quelloffen ist, bedeutet das nicht, dass das OpenSource Projekt keine geschäftlichen Interessen verfolgen darf. Das ist der gleiche Irrtum wie die weit verbreitete Meinung, dass Freeware gleich Freibier ist oder sein muss und jeder OpenSource Code kostenlos sein muss!

    Was nun die Prophezeiung anbetrifft, dass zukünftig Module nicht mehr in der bekannten Weise verkauft werden, liegst du vermutlich 300% daneben. Wenn die Module nur noch als Dienstleistung verkauft werden würden, wäre das nicht vollständig mit der GPL in Einklang zu bringen, da dadurch die "Freedom" nicht mehr vorhanden wäre und der Empfänger eines Moduls nicht mehr die gleiche Freiheit hätte wie der Autor einer Entwicklung.

    Der wahrscheinlichste Fall, der hier eintreten wird und letztlich auch der logischste sein wird, damit dauerhaft so etwas wie gegenwärtig nicht mehr vorkommt, so dass es nicht nur nicht mal mehr moralische Bedenken bestehen, ist die vollständige Kommerzialiserung des Ganzen. Nachdem man nun festgestellt hat, welche Schwächen und Defizite OpenSource Entwicklungen aus der Sicht der Programmierung haben, ist die Quintessenz ganz einfach diejenige, dass zumindest Module zukünftig keine OpenSource Entwicklungen mehr sein werden und somit auch nicht mehr der GPL unterliegen werden. Man wird sich also auch im Geiste umstellen müssen, dass Entwicklungen für XT:Commerce mit wenigen Ausnahmen keine "Freeware" mehr sein werden und demzufolge proprietär lizenziert werden.

  6. Das sind alles alte Schlachten, die hier diskutiert werden. Hauptproblem ist, dass viele nichts für Opensource bezahlen wollen und wenn doch, das Ergebnis nicht freigegeben wird. Ich werde xtcommerce auch nichts bezahlen, weil ich nicht weiss, was mit dem Geld geschieht. Anders ist es, wenn ich oder 'man' im allgemeinen, jemanden beauftragt einen zu helfen und das Ergebnis der Arbeit, die direkt an eine Einzelperson bezahlt wurde öffentlich freigegeben wird. Dann hat man selber zwar etwas bezahlt für ein schnelles konkretes Ergebnis. Andererseits profitiert man selber ja auch durch die Arbeit bzw durch den Zeit/Geldeinsatz von anderen. Hier wären sogar Auftragsgemeinschaften denkbar. Wovon ich überzeugt bin ist, dass die Entwicklungen weitergehen, wenn es einfacher wird, sich gegen Entgelt kurzfristig helfen zu lassen, und die Ergebnisse wiederum freigegeben werden. Die Community würde durchaus etwas wenn nicht sogar viel bezahlen, wenn die Opensource Profis oder Informatiker, sich direkter, konkreter und einfacher anbieten würden. Was spricht dagegen, wenn die Profis mal ganz konkret sich organisieren würden, sagen, wir haben das und jenes Projekt, das dauert 1-2 Jahre, die Teilschritte sehen so und so aus, das kostet unsere Zeit soviel, wer ist bereit wofür zu spenden. Bei xtcommerce wäre es zB schick, wenn es sich vollkommen in Joomla einbauen ließe. Mit lauter Einstellungsknöpfen zum an und ausstellen von MwSt, Ust, einigen Templates usw. Wenn 20 000 Leute soetwas brauchen, und vorweg 10 € spenden, sind das 200 tsd €. Damit lassen sich schon ein paar Profis bezahlen. Also, hört auf mit den alten Grabenkämpfen.
    Na denn...

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