Ich habe Samstag den Artikel von Stereophone gelesen, in dem er über Qualifikationen eines Social Media Gurus spricht. Ich dachte erst, dass ich den Ideen teilweise zustimmen könnte, muss dem Ganzen aber doch großteils widersprechen.
Es ist ein wirklicher Unterschied ob man sich selbst vermarktet oder beispielsweise mit einem Brand oder einer Firma arbeitet und versucht eine kommerzielle Message oder eine virale Kampangie zu verbreiten. Das ist ein völlig anderes Konzept und erfordert eine ganz andere Herrangehensweise, das eine hat in der Tat wenig mit dem anderen zu tun.
Nach meinem Verständnis des Themas gibt es gar keine Social Media Gurus. Das Social Web zu nutzen ist eher "Common Sense". Es gibt wenige einfache Spielregeln für die man keine besonderen Qualifikationen benötigt. Einzig und alleine die Bereitschaft sich auf das neue Medium einzulassen muss da sein. Es wäre genau so wenig angebracht von einem "Fahrrad Guru" zu sprechen, der einem erklärt wie man Fahrrad fährt. Oder einem "Koch Guru" der einem das Nudelkochen beibringt. Ein Guru ist eine Person mit einem großartigem Wissensschatz und einer hohen Autorität in seinem Bereich. Meistens dazu noch eine selbsterklärte.
Was man bei "Social Media Marketing" oft vergisst ist die Tatsache, dass kommerzielle Nachrichten von den meisten Teilnehmern als Spam eingestuft werden. Das Social Web wie z.B. mein Twitter Stream ist mein privater Raum mit meinen ausgewählten "Freunden". Dort kann man nur eine bestimmte Signal-Noise-Ratio ertragen. Wer teilweise kommerzielle Nachrichten aussendet muss das mit vielen regulären Signal kompensieren. Sowas kann man keinem Social Media Guru übertragen oder sonst einer Agentur.
Stereophone schreibt in seinem Blog, dass es einfach wäre sich selber zu vermarkten, aber das wirkliche Talent eines Gurus darin besteht für x-beliebige Firmen Kampagnen zu entwickeln und durchzuführen. Ich denke Stereophone hatte bei seinem Artikel Kampagnen zum Linkaufbau auf Seiten wie Digg.com im Kopf. Das hat auch mal eine Zeit lang funktioniert doch mittlerweile sind wir an einem Punkt angekommen, Social Web User zum größten Teil keinen Blog (mehr) betreiben. Ergo gibt es auch viel weniger Links für eine erfolgreiche Kampagne als in den Goldenen Zeiten dieser Seiten. Heute hab ich meine Leser auf Twitter. Dort nen Link zu posten ersetzt das mühsame Bloggen, wo man sich zu einem oftmals einfach nur lustigen Foto auch noch einen spritzigen Text überlegen muss.
Solche Kampagnen würde ich eher als Stunts bezeichnen. Ohne Frage gibt es einige wenige User die solche Stunts in Reihe abliefern können. Aber meistens sieht man nur ihre Erfolge und aus eigenen Erfahrungen weiss ich dass solche Kampagnen ein hohes Risiko haben ungehört zu bleiben. Wer hinter die Kulissen extrem erfolgreicher Stunts schaut, sieht dass dort nicht selten gefakt wird. Seien es virale Videos oder Artikel, die Wahrheit ist oft viel zu langweilig um sich von alleine zu verbreiten.
Diese Art der Werbung ist genau so disruptiv wie 5 Minuten Werbeblocks in Spielfilmen und geht den Menschen nur deshalb noch nicht auf die Nerven, weil Ihre Form recht neu ist. In meinem Twitter Umfeld fallen mir spontan zwei User ein, die regelmäßig mehr oder weniger kommerzielle Absichten verfolgen. Das sind zwei User von mehr als 250 die ich in meinem Stream verfolge! Der eine betreibt eine recht erfolgreiche Newswebsite und postet aus oft Links zu seinen doch sehr trivialen News aus dem Bereich "Yellow Press". Ich folge keinem der großen News Outlets auf Twitter, weil ich in meinem Stream keine ungefilterten kommerziellen Nachrichten lesen will. Ich ertrage seine Links nur, weil ich ihn persönlich auch aus dem echten Leben kenne und schätze und seine privaten Kommentare nicht missen möchte. Der zweite kommerzielle Twitter User postet regelmäßig Hinweise auf sein Ebook, mit dem er etwas Geld nebenbei macht. Auch hier ist der Grund warum ich es Ertrage nur eine soziale Beziehung zu ihm, wenn auch in diesem Fall rein virtuell. Seiner Website oder Produkt alleine würde ich ohne einer Person davor keine Aufmerksamkeit schenken.
Damit man mich nicht falsch versteh: Ich denke man kann mit Twitter auch Geld verdienen, genau so wie man Geld verdienen kann mit einem großen Bekanntenkreis. Alles basiert darauf, dass man lieber mit jemandem zusammenarbeitet zu dem man schon eine soziale Beziehung aufgebaut hat.
Ich glaube genau an diesem Punkt muss ich Stereophone widersprechen. Marketing im Social Web funktioniert nur über Selbstmarketing. Leute mit einem größen Netzwerk an Onlinebeziehungen würde ich auch nicht als Gurus bezeichnen. Meistens kommen diese großen Netzwerke nur durch bereits bestehende Bekanntheit und wachsen von ganz alleine. Dieses für einen Kunden zu replizieren ist den Powerusern dann kaum möglich. Trotzdem können sie ein Vorbild sein in der Nutzung, Grundsätze vermitteln und Entscheidungen über Werkzeug, Organisation und einzuschlagenden Richtungen vorschlagen. Die Durchführung muss dann aber jeder selber machen und kann es an keine Agentur Outsourcen.
Agenturen die Social Media als ausschliesslich als Kampagnen begreifen würde ich dabei aber noch viel weiter weg vom Guru Status einstufen. Diese verstehen Social Media nur als weiteren Verbreitungskanal und nutzen den Rückkanal nur zu Selbstzwecken der Kampagne. Sie sind schnell vergessen und ist ganz sicher keine Langzeitstrategie.


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